Der Nitratgehalt
Der aktuelle Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt laut der deutschen und österreichischen Trinkwasserverordnung und in den meisten europäischen Ländern bei 50 mg/l, in der Schweiz laut Trinkwasserverordnung (TBDV) bei 40 mg/l. Für Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird, gilt dort nach der Gewässerschutzverordnung sogar eine Anforderung von 25 mg/l.
Diese Grenzwerte müssen von den Wasserversorgern verpflichtend eingehalten werden.
Verteilung der Nitratwerte in Deutschland (Stand Mai 2026)
Ausgehend von den auf der Karte farblich dargestellten unterschiedlichen Bereichen ergibt sich zum aktuellen Zeitpunkt folgende Verteilung der Nitratwerte für Deutschland:
Wir haben die Grafik an die differenzierte Darstellung, die wir auch auf unserer Karte verwenden, angepasst. Auch haben wir die zugrundeliegenden Bevölkerungszahlen auf die Daten der Volkszählung von 2022 aktualisiert.
Daraus ist ersichtlich, dass aktuell nur für etwas über 50% der Bevölkerung das Trinkwasser so niedrige Nitratwerte aufweist, dass es laut Bundesinstitut für Risikobewertung auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist. Für die anderen knapp 50% nicht.
Wenn Sie wissen wollen, wie das bei Ihnen aussieht, prüfen Sie zunächst ob Ihre Stadt in unserer Datenbank enthalten ist. Geben Sie einfach Ihre Postleitzahl oder den Ortsnamen in das Suchfeld ein.
Wenn Ihre Stadt enthalten ist, sehen Sie auch wann die Daten zuletzt von uns aktualisiert wurden. Auf unserer Karte können Sie sich dann den Härtebereich oder den Nitratgehalt für jeden Ort anzeigen lassen.
Was sind Nitrate und wo kommen sie vor?
Bei Nitraten handelt es sich um wasserlösliche Salze der Salpetersäure. Viele Böden sind heute arm an Stickstoff und werden deshalb in der Landwirtschaft mit Gülle und stickstoffhaltigen Mineraldüngern gedüngt. Gülle zählt zu den organischen Stickstoffverbindungen. Diese werden durch Nitrifikation im Boden oder in Gewässern unter Mitwirkung von Bakterien aus Ammoniumionen (NH4+) über die Zwischenstufe Nitrit zu Nitrat umgewandelt. Mineraldünger bestehen meist aus Ammonium-, Kalzium-, Natrium- oder Kaliumnitrat. Das Nitrat wird über die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen.
Wo wird gemessen?
Die Wasserversorger überwachen die Qualität des Trinkwassers nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung regelmäßig, auch den Nitratgehalt. Unabhängig davon betreiben die Bundesländer Grundwassermessstellen, an denen die Belastung des Grundwassers selbst überwacht wird, zum Beispiel für den Nitratbericht der Bundesregierung. Die Werte der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes zeigen wir auf unserer Nitratdatenbank.
Ein hoher Nitratwert an einer Grundwassermessstelle bedeutet nicht automatisch, dass das Trinkwasser in der Nähe belastet ist. Er ist aber ein Warnsignal, denn in Deutschland werden rund drei Viertel des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen.
Welche Risiken gibt es?
Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen beziehen sich die gesundheitlichen Bedenken gegen eine überhöhte Nitrat-Aufnahme aus der Nahrung in erster Linie auf die mögliche Reaktionskette Nitrat-Nitrit-Nitrosamine.
Eine solche Umwandlung findet zum einen im Darm durch entsprechende Bakterien statt. Zum anderen können auch die Speicheldrüsen über den Blutweg angeschwemmtes Nitrat reduzieren. Die Darmflora eines Säuglings kann (wie die Darmflora eines Erwachsenen) Nitritbildende Bakterien enthalten.
Nitrosamine haben sich in Tierversuchen als Krebs auslösend (karzinogen) erwiesen.
Krebserkrankungen und Geburtsschäden
Amerikanische Studien an 16.000 Frauen in Iowa fanden Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen der Blase, der Eierstöcke, der Nieren und der Schilddrüse. Andere Studien in Texas und Iowa haben Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Geburtsschäden - Gaumenspalten und Spina bifida - bei Neugeborenen gefunden, deren Mütter Trinkwasser mit Nitratwerten von mehr als 5-6 mg/l während der Schwangerschaft getrunken haben.
Eine große Studie um Dr. Jörg Schullehner von der Universität Aarhus in Dänemark mit rund 1,7 Millionen Teilnehmern über einen Zeitraum von über 30 Jahren (1978–2011) fand einen Zusammenhang zwischen dem Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, und dem Nitratgehalt des Trinkwassers: Die Teilnehmer mit der höchsten Nitratbelastung (mehr als 9,25 mg/l) hatten ein um 16 Prozent höheres Darmkrebsrisiko als die mit der geringsten (weniger als 0,7 mg/l). Ein statistisch messbarer Anstieg zeigte sich bereits ab 3,87 mg/l.
Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Quellen Seite.
B: Statistische Risikobewertung für Darmkrebs allgemein (Kolorektales Karzinom) für diese Studienpopulation
C: Statistische Risikobewertung für den Dickdarm ohne Mastdarm (Colon) für diese Studienpopulation
D: Statistische Risikobewertung für den Mastdarm (Rectum) für diese Studienpopulation
Die Studienautoren betonen, es sei besonders bedenklich, dass ein Risikoanstieg bereits bei Nitratkonzentrationen zu verzeichnen war, die deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten liegen, deshalb sei es sinnvoll über eine Reduzierung der Trinkwassergrenzwerte nachzudenken, unabhängig davon, dass das Thema weitere Studien erfordert.
Eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie aus Spanien und Italien zeigte, je höher die Aufnahme von Nitrat aus dem Trinkwasser, desto höher das Risiko von Darm- und Rektumkarzinomen, auch bei Werten weit unter dem für Trinkwasser zulässigen Grenzwert.
Was das für Deutschland bedeutet, wo fast die Hälfte der Menschen Trinkwasser mit mehr als 10 mg/l Nitrat erhält, haben wir in einer eigenen Abschätzung berechnet: Nitrat im Trinkwasser: Was hat das mit Darmkrebs zu tun?
Säuglings-Blausucht
Ein weiteres Risiko besteht für Säuglinge in der Oxidation des Hämoglobins durch das entstehende Nitrit zu Methämoglobin. Hämoglobin ist ein Eiweiß, das sich im Inneren der roten Blutkörperchen befindet und für den Transport des über die Lungen eingeatmeten Sauerstoffs zu den Zellen verantwortlich ist.
Durch eine natürliche Enzymreaktion wird das Methämoglobin größtenteils wieder zu Hämoglobin reduziert, ein natürlicher Kreislauf, der bei einem Säugling jedoch noch nicht richtig funktioniert, da er eine noch nicht ausgereifte Reduktionskapazität hat.
Wenn diese Rückreduzierung aber unterbleibt und das funktionsuntüchtige Methämoglobin keinen Sauerstoff an die Gewebezellen abgeben kann, besteht die Gefahr des inneren Erstickens, zu erkennen an einer violetten bis bläulichen Verfärbung der Haut, der Schleimhäute, der Lippen und der Fingernägel. Besonders Säuglinge bis zum 6. Monat sind anfällig für diese Säuglings-Blausucht.
Was bedeutet das für Säuglinge
Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI-Wert) von Nitrat (NO3-) liegt bei 0-3,7 mg/kg Körpergewicht.
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat dazu folgende Rechnung aufgestellt:
| Alter | Median* | P 95** | Max*** |
|---|---|---|---|
| 3 Monate | 5,4 | 7,4 | 8,0 |
| 6 Monate | 3,3 | 5,0 | 5,5 |
| 9 Monate | 2,3 | 4,7 | 10,0 |
| 12 Monate | 1,6 | 4,2 | 8,8 |
Tägliche Nitrataufnahme (mg/kg Körpergewicht) von Säuglingen, deren Formula-Nahrung mit Trinkwasser unter Ausschöpfung der geltenden Höchstmenge von 50 mg/l zubereitet wurde
* Median = 50. Percentil, durchschnittliches Körpergewicht in dieser Altersgruppe
** P95 = 95. Percentil, nur 5% in dieser Altersgruppe wiegen mehr
*** Max = beobachteter Maximalwert in dieser Altersgruppe
Das bedeutet: Bei 6 Monate alten Säuglingen liegt die Nitrataufnahme im Median (3,3 mg/kg) noch unter dem ADI-Wert von 3,7 mg/kg, beim 95. Perzentil und beim Maximalwert aber deutlich darüber. Bei 3 Monate alten Säuglingen wird der ADI-Wert schon im Median überschritten, beim Maximalwert um mehr als das Doppelte. Bei 3 Monate alten Säuglingen dürfte der Nitratgehalt demnach bei maximal 23 mg/l, bei einem 6 Monate alten Säugling bei 33 mg/l liegen, um die maximal zulässige Aufnahmemenge einzuhalten, wenn man den jeweiligen Maximalwert der Altersgruppe heranzieht. Dies immer unter der Annahme, dass nicht mit Obst oder Gemüse beigefüttert wird.
Ab dem 6. Monat nimmt die Gefahr der Säuglings-Blausucht deutlich ab. Dafür rückt die mögliche Bildung von Nitrosaminen in den Vordergrund, besonders weil in diesem Alter meist mit der Beigabe von Obst und Gemüse begonnen wird.
Das BfR hat hierzu folgende Berechnung für eine in der Diätverordnung festgelegte Höchstmenge von 250 mg Nitrat/kg Fertignahrung im 200 Gramm Gläschen mit 100 Gramm Gemüse aufgestellt:
| Alter | ADI-Wert |
|---|---|
| 12 Monate (9,5 – 10,3 kg Körpergewicht) | 5,3 – 4,8 mg/kg Körpergewicht |
| 18 Monate (10,9 – 11,8 kg Körpergewicht) | 4,6 – 4,2 mg/kg Körpergewicht |
| 24 Monate (12,3 – 13,1 kg Körpergewicht) | 4,1 – 3,8 mg/kg Körpergewicht |
| Dieselbe Rechnung für eine Höchstmenge von 150 mg Nitrat/kg im 200 Gramm Gläschen: | |
| 12 Monate (9,5 – 10,3 kg Körpergewicht) | 3,2 – 2,9 mg/kg Körpergewicht |
| 18 Monate (10,9 – 11,8 kg Körpergewicht) | 2,8 – 2,5 mg/kg Körpergewicht |
| 24 Monate (12,3 – 13,1 kg Körpergewicht) | 2,4 – 2,3 mg/kg Körpergewicht |
Tägliche Nitrataufnahme (mg/kg Körpergewicht) von Kleinkindern, deren Körpergewicht dem Durchschnitt (Median) in der jeweiligen Altersgruppe entspricht.
Daraus ist leicht zu erkennen, dass der ADI Wert von 3,7 mg/kg Körpergewicht kaum oder gar nicht einzuhalten ist, solange nicht auf Fertignahrung mit einem niedrigeren Nitratgehalt von maximal 150 mg Nitrat/kg zurückgegriffen wird.
Im Jahre 1986 hatte das deutsche Bundesgesundheitsamt deshalb auch empfohlen, für die Zubereitung von Säuglingsnahrung einen Nitratgrenzwert von 10mg/l im Trinkwasser nicht zu überschreiten. Geht man davon aus, dass 12 Monate alte Kinder nur 100 Gramm Gemüse als Beikost verzehren, würde bei einer Nitrat-Aufnahme von 10 mg/l Wasser (für ein Kind mit seiner Altersgruppe entsprechendem durchschnittlichen Körpergewicht) und einer Höchstmenge von 150 mg Nitrat/kg Beikost der ADI von 3,7 mg/kg KG nicht überschritten werden.
Der Mensch nimmt Nitrat nicht nur über das Trinkwasser, sondern beispielsweise auch über verschiedene Gemüsesorten, die einen natürlichen, hohen Nitratgehalt aufweisen (Rucola und andere Blattsalate, Spinat, Kohlrabi, Rote Beete, Radieschen und Rettich), zu sich. Lange Zeit herrschte Unsicherheit darüber, ob hier nicht eine mindestens ebenso große Gefahr für den Menschen besteht wie bei der Nitrataufnahme über das Trinkwasser.
Eine neue Studie von Dorit W. Erichsen et al. aus dem Jahr 2025 hat hier die Ergebnisse von Schullehner bestätigt und gleichzeitig auch keinerlei Hinweise auf den Einfluss von pflanzlichen oder tierischen Nahrungsmitteln für die Entstehung von Darmkrebs finden können.
Mit unserer App Wassertipps Baby&Familie sehen Sie die Nitrat- und Natriumwerte Ihres Wohnorts und erfahren, ob Ihr Leitungswasser für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stellungnahme zu Nitrat in diätetischen Lebensmitteln, 26. Februar 2003
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Nitrat und Nitrit in Lebensmitteln
- Schullehner u.a. (2018): Nitrate in drinking water and colorectal cancer risk: A nationwide population-based cohort study
- Erichsen u.a. (2025): Source-specific nitrate and nitrite intake and association with colorectal cancer
- Brender u.a. (2013): Higher daily nitrate intake from drinking water during pregnancy associated with birth defects
- Circle of Blue (2018): More Evidence of Nitrate Cancer Risk in Drinking Water
- Nitratbericht 2024 der Bundesregierung
- Umweltbundesamt: Nähr- und Schadstoffe im Grundwasser
- Wassertipps: Nitrat im Trinkwasser: Was hat das mit Darmkrebs zu tun?